Queer und Intersektionalität – Über dieses Blog

Foto vom Tafelbild zur intersektionalen Mehrebenentheorie von Winker und Degele

“Queer und Intersektionalität” war das Thema eines Seminars im Wintersemester 2009/2010 an der Uni Hamburg. Dieses Weblog ist im Rahmen des Seminars entstanden und dokumentiert die Abschlussarbeiten der Studierenden. Wir drei, Kathrin Ganz, Do. Gerbig und Nina Mackert – auch aktiv in der AG Queer Studies Hamburg – haben das Seminar gemeinsam geleitet. Finanziert wurde es durch die Gemeinsame Kommission für Frauenforschung, Frauen- und Geschlechterstudien, Gender und Queer Studies.
Intersektionales Denken versucht, verschiedene Differenzkategorien und Dimensionen sozialer Ungleichheit und Herrschaft als verwoben und zusammenwirkend zu denken, um eine komplexe Analyse gesellschaftlicher Machtverhältnisse zu erreichen. Queertheoretische Ansätze arbeiten vor allem an der Dekonstruktion der binären und eindeutigen Differenzkategorien Geschlecht und Sexualität und problematisieren kategoriales Denken, wenn es in essentialistischen Identitätslogiken verharrt. Es war unser Anliegen, die Gemeinsamkeiten und Widersprüchlichkeiten zwischen den(wissens)politische Projekte Queer und Intersektionalität zusammen mit den Studierenden herauszuarbeiten.
Zudem wollten wir versuchen, die vielen Spuren in intersektionalem Denken in ihrer Historizität, Entwicklung und ihrem Bezug zu sozialen Bewegungen zu betrachten. Ein wichtiger Startpunkt und Kernaussagen sind für uns in der Bewegung Schwarzer Feminist_innen und dem Statement des Combahee River Collective verortet. Das, was in Deutschland und seiner akademischen Landschaft meist mit einigen Jahren Verspätung ankommt, zeigt leider häufig eine “kolonalisierende” Benutzung bei gleichzeitiger Unsichtbarmachung der Beiträge etwa von Aktivist_innen of Colour oder von Frauen aus der Behinderten-Bewegung. Schließlich haben wir im Seminar auch die gegenwärtigen bzw. in den letzten Jahren in Deutschland geführten Debatten zu Intersektionalität und Kritiken daran zum Thema gemacht. Read more

März 23, 2010 | Leave a Comment  |

Die Auslassung der Dimension „Körper“ bei Cornelia Klinger – Ergänzungen aus Sicht der Disability Studies

von Nicole Meyer

Seit einigen Jahren hat das Konzept der Intersektionalität Eingang in die deutschsprachigen wissenschaftlichen Debatten gefunden. Das Anliegen von Intersektionalitätsanalysen ist eng mit den politischen und akademischen Interventionen Schwarzer Feministinnen [1] und Women of Color der 1960er und 1970er Jahre im anglo-amerikanischen Kontext verflochten. Schwarze Feministinnen und Women of Color kritisierten die Eindimensionalität eines Weißen Feminismus, welcher in der Regel allein die Perspektive Weißer, westlicher, heterosexueller, nicht behinderter, protestantisch sozialisierter Frauen aus der Mittelschicht berücksichtigte. Diese Auseinandersetzungen können nach Katharina Walgenbach (2007) als Auftakt der Suche nach theoretischen Modellen zur Konzeptualisierung der Verschränkung verschiedener Machtverhältnisse und -mechanismen gelten (ebd.: 24). Im feministisch akademischen Kontext wurden also unterschiedliche analytische Ansätze entwickelt, um die Bedingtheit und das Ineinandergreifen der verschiedenen Machtverhältnisse zu beschreiben. Read more

„Queer und Intersektionalität“ am Beispiel der Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V.

von Münevver Azizoglu Bazan

Wenn ich kurdische Frauen und die strukturelle Gestaltung ihrer Organisationen sowohl in ihrem Heimatland, als auch im Ausland betrachte, finde ich, dass kurdische Frauen für queere Analysen als Subjekt eine wunderbare Empirie bieten. Ein Ausgangspunkt queerer Analysen ist die kritische Bezugnahme auf eine gesellschaftliche Wirklichkeit, in der nicht allen Menschen die gleichen Rechte, die gleichen Möglichkeiten und eine gleichberechtigte Partizipation an gesellschaftlichen Ressourcen zukommen. Kurdische Frauen und ihre Emanzipationsbestrebungen stellen instituierte Hierarchien, Macht-, Herrschafts- und Gewaltverhältnisse radikal in Frage. Read more

Queering Psychology: Kritik der „Theorie der Homosexualität“

von Lisa Bendiek

Als angehende Bachelor-Nebenfach-Psychologin stehe ich zum Ende jedes Semesters vor der Aufgabe, prüfungsrelevante Standard-Lehrbücher auswendig zu lernen. Jedes Semester bin ich aufs Neue amüsiert und entsetzt über die herrschaftsunkritische Kategorienbildung, die sich darin breit macht, und jetzt habe ich endlich die Gelegenheit, mich an der Psychologie zu rächen. Read more

L.A. Crash – Die Kollision der Kategorien

von 2misses

Crash – das erste, was man mit diesem Wort assoziiert, ist wohl ein Autounfall. Der Titel des 2004 erschienen Episodenfilmes L.A. Crash (Originaltitel: “Crash“ USA 2004, Regie: Paul Haggis) steht jedoch für den Crash der Kulturen in einer Stadt. Menschen mit verschiedensten ethnischen Hintergründen treffen aufeinander, verspotten und beschimpfen sich, haben Vorurteile gegenüber einander. Keine der Figuren ist hierbei nur Opfer oder nur Täter. So wird also von den Ängsten und Vorurteilen unterschiedlichster Bewohner der Millionenmetropole Los Angeles erzählt. Regisseur Paul Haggis legt den Fokus auf rassistische Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe und nationaler Herkunft. Eine Art Monolog des Ermittlers Detective Graham Waters schildert das damit verbundene Problem des „Fremden“, das in diesem Film wohl die größte Rolle spielt: Read more

Ich Alphamädchen, Du nix verstehen. Die Absicht: eine Rezension. Das Resultat: ein Verriss.

von GammaLady

Es scheint, dass sich Debatten, in denen das F-Wort auch nur vorkommt, in inneruniversitäre, breit gefächerte Kontroversen einerseits und reduktionistische, autoritär geführte Schlagabtäusche in den Mainstream-Medien andererseits gespalten haben. Dazwischen klafft eine große Lücke, zuweilen als Popfeminismus, Wellness-Feminismus oder third wave (of) feminism bezeichnet, die sich zu füllen in den vergangenen Jahren auffallend viele deutsche Autorinnen angeschickt haben. So erobern Neue deutsche Mädchen, Widerspenstige Töchter, F-Klassen und Feuchtgebiete mediale Diskurse über und die Köpfe von jungen Frauen. Read more

Stonewall: Queere Geschichtsschreibung kritisch betrachtet

von Jelena Alter

Mit diesem Aufsatz möchte ich am Beispiel der Stonewall Riots zeigen, wie man Geschichte aus intersektionaler Perspektive neu betrachten könnte. Read more

März 20, 2010 | 2 Comments  | Tags: , , ,

Intersektionalität und Queer Theory

von Ilka

Dem Verhältnis von Intersektionalität und Queer Theory widmeten Gabriele Dietze, Elahe Haschemi Yekani und Beatrice Michaelis den Aufsatz: „Checks and Balances“. Ich möchte die drei dort genannten Beispiele, wie eine queere Intersektionalität in verschiedenen Dimensionen aussehen könnte, näher betrachten und versuchen, sie in ihrer Wirkmächtigkeit zu beurteilen. Für diesen Zweck werde ich zunächst die dort genannten wichtigsten Punkte zum Verhältnis Queer – Intersektionalität nachzeichnen und die Beispiele beschreiben. Im Anschluss daran sollen diese dann in ihrer Relevanz bewertet werden. Read more

Fußball – nichts für „Schwule; Mädchen“?

von ar

Fußball ist des Deutschen liebster Sport. Schon seit Jahrzehnten ist er als so genannter Volkssport etabliert. Er findet überall statt. Nicht nur auf dem Platz, sondern in Werbung, Fanartikeln, Musik, Hörfunk und Fernsehen. Die Kicker der Nationalmannschaft sind Goldesel als Werbeträger für diverse Marken und Organisationen, aber auch Vorbilder für Millionen von Kindern. Read more

März 20, 2010 | Leave a Comment  |

Multikulturalismus und Intersektionalität

von Alissa

Der Begriff des Multikulturalismus ist heute allgemein geläufig, aber keineswegs eindeutig konnotiert. Die einen meinen damit ein buntes, friedliches Zusammenleben verschiedener Kulturen, andere verbinden mit ihm eine allzu konfliktreiche Gesellschaft und tun diese politische Strömung als utopisch ab. Kritik an multikulturellen Ansätzen gibt es dabei aus den unterschiedlichsten Richtungen – von liberal bis konservativ. Read more

März 19, 2010 | Leave a Comment  | Tags: , ,

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